Osteopathie

Die Osteopathie ist eine Heilkunde, bei der der Osteopath den Menschen mit seinen feinfühligen Händen untersucht und behandelt. Er setzt mit verschiedenen manuellen Techniken Impulse, die zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Klienten führen. Die Osteopathielehre geht davon aus, dass Körper, Geist und Seele eine Funktionseinheit bilden, als „Vereintes Ganzes“ funktionieren und über eigene Steuerungs- und Regulationsmechanismen verfügen, die eine Selbstheilung ermöglichen. Dieses Prinzip bezieht sich zum einen auf die Beweglichkeit des Körpers in seiner Gesamtheit, zum anderen auf die Eigenbewegungen des Gewebes, der einzelnen Körperteile (Organsysteme) sowie deren Zusammenspiel. Jedes Körperteil, jede Struktur benötigt zum optimalen Funktionieren Bewegungsfreiheit. Ist diese eingeschränkt, entsteht zunächst Gewebespannung und darauf folgend eine Funktionsstörung (Dysfunktion).

Beim  Forschen nach der Ursache der Beschwerden im menschlichen Körper stehen eine Strukturstörung und die daraus resultierende Fehlfunktion im Vordergrund. Aus der Sicht der Osteopathie zeigen sich also Funktionsstörungen als beinträchtigte Bewegungen einer oder mehrerer Strukturen. Die osteopathischen Techniken helfen dem Gewebe in seine ursprüngliche Bewegungsfreiheit zurückzufinden um wieder in vollem Umfang funktionieren zu können. Es ist jeweils die Funktion, die die Struktur zu dem macht was sie ist. Ändert sich die Funktion, so ändert sich auch die Struktur. Ein Mehr an Funktion führt meist zu einem Mehr an Struktur und umgekehrt.

Unser Organismus besteht aus unzähligen Gewebsarten, die alle miteinander direkt oder indirekt verbunden sind. Den Zusammenhang stellen Faszien her, dünne Bindegewebshüllen, die mit ihrem Spannungswerk den ganzen Körper umhüllen, durchdringen und sich schließlich zu einem „Taucheranzug“ vereinigen. Faszien geben den Strukturen, die sie umhüllen die Form, wirken wie elastische Stoßdämpfer bei Bewegungen,  spielen eine wichtige Rolle bei biochemischen und hämodynamischen Prozessen und bilden eine Matrix für die intrazelluläre Kommunikation. Das Fasziensystem ist auch ein Wasserspeicher und Teil des Immunsystems. Es bildet mit den eigenen Faszienanteilen eine Barriere, die das Eindringen für Mikroorganismen erheblich erschwert oder entzündliche Prozesse begrenzt.  Das Fasziennetzwerk ist der Ort an dem sich die Fresszellen befinden, die Mikroorganismen und Gewebsreste enzymatisch auflösen können. Nach einer Verletzung bildet die Faszie die Grundlage für die Heilung des Gewebes. Sie ist der wichtigste Energiespeicher und gilt als das größte Sinnesorgan unserer Körperwahrnehmung.

„Die Seele des Menschen scheint in der Faszie des Menschen zu wohnen“ (A.T. Still, 1899)

Mittels Faszien können sich strukturelle Veränderungen auf andere Körperregionen oder Organe übertragen, die funktionell nichts miteinander zu tun haben. Dies erklärt, warum eine Ursache an einer Stelle oft zu Beschwerden in ganz anderen Körperregionen führen kann.